Jahresbericht 2021

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Jahresbericht 2021

Hier ein Überblick über die Stipendiaten, die in Morogoro von der Kress-Stiftung gefördert werden, insgesamt sind es 28 Schülerinnen und Schüler in 6 Altersgruppen:

(Die jüngste) Gruppe 8 besteht aus 3 Schülerinnern und 2 Schülern: Neema Michael, Edith Lyoba, Samwel Pius, Liso Sembo, Frank Kisitu. Sie besuchen seit Anfang 2021 Form 1 der Ebenezer Secondary School, die neu gegründete Schule der Diozese Morogoro. Eine Secondary School ist in Tansania eine Mittelschule und schließt sich an die 6jährige Grundschule an. Wenn alles glatt läuft, werden sie Ende 2024 die Schule dort beenden. Je Schüler*in und Jahr kostet der Schulbesuch 1.600.000 TSh entsprechend etwa 600 €. Dazu kommen bei Schulbeginn immer einmalige Ausgaben für Schuluniformen, Matratzen, Bücher und allerlei für ca. 300.000 TSh = 120 €.

Gruppe 7 besteht ebenfalls aus 5 Schülerinnen und Schülern: Evance Natai, Dorcas Nkwera, Loveness Palingo, Just. George, Salome Mushi. Sie sind in Form 2, vom Alter entsprechend der Klasse 8 in Deutschland und besuchen das Lutheran Junior Seminary. Das Lutheran Seminary ist eine Schule der ELCT, der Evangelical Lutheran Church in Tansania, also des Verbundes aller Evangelischen Kirchen in Tansania. Die Schüler werden seit Anfang 2020 gefördert, planmäßig wäre ein Abschluss der Schule etwa entsprechend Ende 2023 mit dem O-Level, heißt ordinary level und entspricht etwa unserer „Mittleren Reife“.

In Gruppe 6 sind 3 Schülerinnen und 1 Schüler: Rehema Kiondo, Leah Peter, Glory Mlay, Harrisoni Gombe. Sie besuchen ebenfalls das Lutheran Seminary, werden seit 2019 durch die Stiftung gefördert und werden Ende nächsten Jahres die 4. und damit letzte Klasse beenden. Die Kosten für ein Jahr auf der Schule betragen mit Unterkunft und Verpflegung knapp 2.000.000 TSh pro Schüler, was etwa 800 € entspricht. Dazu erhält jeder Schüler auch der anderen Gruppen ein Taschengeld von 300.000 TSh je Schulhalbjahr, also etwa knapp 250 € im Jahr.

Gruppe 5 besteht aus 2 Mädchen und 1 Jungen: Salome Kassim, Hezron John Mlembe, Innocent R. Mushi. Sie besuchen als dritte Gruppe das Lutheran Seminary, werden seit 2018 durch die Stiftung gefördert und werden Ende dieses Jahres das O-Level erreichen. Damit wäre ihre zugesagte Unterstützung zunächst beendet. Je nach den erreichten Abschlussnoten können sie sich aber für das A-Level, das advanced level, entsprechend etwa unserer Oberstufe qualifizieren. Wenn die Noten – meist erst nach einigen, meist 4-5 Monaten – vorliegen, werden die betreuenden Personen in Morogoro, das sind Lunyamadzu Gillah und Maimu Daffa, überlegen und vorschlagen, ob, wie und für wen eine weitere Förderung wünschenswert und sinnvoll wäre. Zwischen der Beendigung des O-Levels meist im November und Beginn des A-Levels im Juli liegt über ein halbes Jahr, das etwas wie eine verlorene Zeit wirkt und das Risiko birgt, den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern zu verlieren. Daher gibt es immer wieder die Überlegung, vocational training-Einheiten in dieser Zwischenzeit zu ermöglichen, also kleinere praktische Kurse wie Computerhandling, Textverarbeitung, …

Gruppe 4 hat diesen Schritt zur Oberstufe schon vollzogen. Die Schülerinnen und Schüler hatten Anfang 2016 gemeinsam auf der Charlotte Secondary School begonnen, einer von katholischen Ordensschwestern geführten Schule. Wie Ihr vielleicht gemerkt habt, lag zwischen den Gruppen 4 und 5 ein Jahr Pause ohne eine neue Gruppe. Anna Challo, Martina Ngole, Monica Richard, Kenneth Patrick und Joseph Kigala haben 2019 dort den Schulabschluss erreicht, Charles Michael musste wegen nicht zufriedenstellender Leistungen die Schule wechseln und hat zum Ende die Adrian Mkoba-Schule besucht und dort den Abschuss erlangt. Diese Schüler konnten solch ein vocational training absolvieren, von der Stiftung gefördert, bei Kosten von fast 300 € je Person. Nun besuchen die Schüler*innen die Oberstufe, und zwar an staatlichen Schulen, und werden dazu an die vom Staat ausgewählten Schulen im ganzen Land verschickt: Kenneth mit den Schwerpunkten Mathematik, Geographie und Wirtschaft in Tabora (650 km von Morogoro, 10 h Fahrzeit nach Google); Monica mit den Schwerpunkten Geschichte, Geographie und Englisch in Morogoro; Charles mit Geschichte, Geographie and Kisuaheli (Paducah Secondary School in Morogoro); Martina mit den Schwerpunkten Physik, Chemie und Mathematik in Daressalaam (200 km, 4,5 h); Anna mit den Fächern Geschichte, Geographie und Englisch in Iringa (300 km, 6 h); Joseph mit den Schwerpunkten Geschichte, Geographie und Wirtschaft in Manyara (500 km, 10 h). Die Kosten betragen in den ja nun nicht mehr privaten Internatsschulen ca. 200.000 TSh jährlich je Schüler, also etwa 75 € jährlich, plus Fahrtkosten in etwa gleicher Höhe plus das bekannte Taschengeld. Lediglich Charles besucht eine private Schule, die mit 1.600.000 TSh jährlich entsprechend etwa 600 € zu Buche schlägt. Mitte nächsten Jahres wird dann das A-Level erreicht, und man steht vor der Frage einer weiteren Förderung.

Gruppe 3 besteht aus 4 Schülerinnen und 1 Schülern: Aikande Barnabas, Linnar Richard, Dorice Pyuza, Jesse Japhet, Grace Challo (nicht Matandika). Sie waren von Mitte 2018 bis Mitte 2020 im ganzen Land verteilt: Linnar in Iringa (300 km von Morogoro, 6 h Fahrzeit), Dorice im St. John College in Morogoro, Grace in Mwanza am Victoriasee (fast 1.000 km, 16 h), Aikande in Mwanza und später in Moshi am Kilimanjaro (550 km, 9 h) und Jesse in Tanga am Indischen Ozean (300 km, 5,5 h). Inzwischen sind es seit November 2020 schon Studenten, Aikande für geplante 4 Jahre (Bachelor of science in Nursing = Pflegewissenschaften in Dodoma, wobei es einen weiteren Sponsor gibt, der Teile der Kosten übernimmt), Jesse Bachelor of Accounting= Buchhaltung (Daressalam, 3 Jahre), Grace Bachelor of Sciences with Education = Lehramt (Dodoma, 3 Jahre), Linnar Diploma in Information and Technology = Informationstechnologie (Sokoine University Morogoro, 2 Jahre). Kosten entstehen für die Uni, Unterkunft, Verpflegung, Fahrtkosten und Taschengeld, abhängig vom Studium pro Person meist zwischen 3.000.000 und 4.000.000 TSh, entsprechend etwa 1.200 bis 1.600 €. Dorice ist dabei ein besonderer Fall, da sie kein Studium, sondern eine Lehre begonnen hat (Certificate in Pharmacy = Pharmazeutisch-Technische Assistentin), wobei die Kosten dafür aber über dem Durchschnitt liegen. Zudem hat sie ihre Ausbildung wegen einer Schwangerschaft unterbrochen und eine letzte Prüfung aufgeschoben, hoffentlich auf November dieses Jahres, alles unter enger Begleitung von Mrs. Gillah.

So entwickeln sich die verschiedenen Gruppen nach und nach weiter, und wir machen immer wieder neue Erfahrungen: erst O-Level, dann A-Level, dann Berufsausbildung oder Uni, jeweils mit neuen Anforderungen.

Zu den Absolventen der Gruppen 2 und 1, die vor Gruppe 3 gefördert wurden, besteht keinerlei Kontakt, auch seitens der betreuenden Personen in Morogoro, die Gruppen entziehen sich auch meinem Erfahrungshorizont. Das war aber auch der Grund gewesen, beginnend mit Gruppe 3 die Auswahl und Begleitung der Stipendiaten grundlegend zu ändern. Und das Voranschreiten der Ausbildung und des Alters der geförderten Menschen ist seit einigen Jahren auch Gegenstand von Überlegungen, wie man sie auch nach Abschluss einer Förderung in die weitere Stiftungsarbeit einbinden kann.

Eine Gruppe 9 könnte nächstes Jahr starten, eine Annoncierung im dortigen Kirchenkreis ist erfolgt, es laufen Bewerbungsfristen, dann wird ein Auswahlverfahren zunächst bedürftige, im zweiten Schritt nach einer Vorbereitungsphase auch geeignete Kinder ausgewählt. Ob aber tatsächlich eine neue Gruppe schon 2022 startet oder die Mittel für die Förderung einer höheren Qualifikation der bestehenden Gruppen eingesetzt werden, ist derzeit Gegenstand der Diskussion.

Der Schulunterricht war im Rahmen der Corona-Pandemie 2020 von März bis Ende Mai unterbrochen, auch sind die vocational training-Kurse im Frühjahr und Frühsommer wegen der Corona-Maßnahmen nicht vollständig durchgeführt worden. Es ist aber nach Informationen aus Morogoro keines der Kinder zumindest wissentlich an COVID-19 erkrankt, wobei aber auch die pure Existenz von Corona lange geleugnet wurde.

Andreas Schmidt

2022-07-15T15:03:53+01:00 15. Juli 2022|